Die Deutschen lieben
das Wohnen

In der eigenen Wohnung, bei Familie und Freunden kann man den Möbeln ansehen, aus welcher Zeit sie stammen. Das kann jeder! Nicht nur, weil er sich vielleicht an den Kauf erinnert oder weil manche Möbel schon reichlich abgewetzt sind, sondern auch weil der Mensch ein ganz gutes Gespür für seine Umgebung auch rückblickend im Zeitverlauf hat.

Zugegeben: Manche Männer können das Alter eines Autos leichter einschätzen, als das von Interieur; diese Fähigkeit zeigt aber doch ein menschliches Grundtalent. Das Schätzen hat übrigens meist mehr mit Gefühl als mit Verstand zu tun, geht ganz unbewusst und blitzschnell. Es könnte sein, dass uns das in Zukunft schwerer fällt, denn Möbel werden immer individueller und weniger durch den Geschmack der Zeit geprägt.

In früheren Zeiten spielte bei der Gestaltung von industriellen Produkten, wie Autos, Möbeln und Einrichtungsgegenständen der Geschmack der Zeit die Hauptrolle. Dieser war stets abhängig von der Beschaffungsseite, von den produktionstechnischen Möglichkeiten, von den Kosten und von dem, was unter „modern“ verstanden wurde. Jeder aus der etwas älteren Generation erinnert sich sofort an das „stromlinienförmige“ Design der 1950er und 1960er Jahre, welches sich beim Interieur des Kühlschranks leibhaftig zuspitzte. Die Freisteher standen auf Beinen, sahen sehr dickwändig und konvex gewölbt aus und hatten runde Ecken. Ein überaus stabiler, demonstrativer Öffnungsgriff aus Chrom erinnerte visuell und auditiv an die Türöffner der US-amerikanischen Straßenkreuzer, die absoluter Inbegriff des angesagten stromlinienförmigen Designs waren. Alle wollten damals so einen Kühlschrank und auch so ein Auto. Das dies Millionen und Abermillionen Konsumenten genauso wollten und besaßen, hat damals niemanden gestört.

Heute ist der Geschmack der Zeit auch wichtig, aber Individualisierung und Globalisierung konterkarieren ihn mehr und mehr. Das gerade so beliebte individuelle Pimpen ist anderseits auch nicht zeitgeistfrei, ja, es ist vielleicht sogar das Phänomen der Zeit. Dieser Wunsch nach Individualisierung hat weitreichende Folgen für die Möbelhersteller. Die Variantenvielfalt ist in den vergangenen Jahren derart gewachsen, dass selbst bei relativ einfachen Möbeln präzise Bestellvorgänge notwendig wurden. Ein kleines Sofa hat beispielsweise über 400 Möglichkeiten einer persönlichen Auswahl. Breite, Tiefe. Höhe, Bezugsstoff und seine Aufmachung, Füßchenauswahl, Sitzhärte, Verstellbarkeit, Auflagenstückzahl und –gestaltung, ausfahrbarer Schemelfunktion, mechanisch oder elektrisch, und den Spezialwünschen wie Allergiker geeignet, mit Lumbagostütze, mit Bioleder … Der moderne Kunde orientiert sich individuell und genau auf seine ureigenen Bedürfnisse zugeschnitten.

Elektrische Rivalen
Die Kaufbereitschaft in Deutschland ist groß. Die Stimmungslage ist von einer positiven Einkommens- und Konjunkturerwartung geprägt, die Menschen stecken ihr Geld gerne in den Konsum und der Einzelhandelsverband geht von einem sehr guten Weihnachtsgeschäft aus. Die Möbelbranche kann aber in diesem Jahr davon nicht so richtig profitieren. Dies, obwohl der Wunsch nach neuen Möbeln und neuer Einrichtung in Studien immer wieder genannt wird. Die GfK hat ermittelt, dass in den letzten Monaten mehr für Urlaub, Freizeit und auch für Unterhaltungselektronik ausgegeben wurde, als für Möbel. Die Konkurrenzlage ist also noch einmal komplexer geworden, denn der neue Sozialstatus scheinen nun eher das Smart-Phone und der Tablet-PC als das neue Sofa oder Auto zu sein. Auch in den Kauf und die Renovierung von Wohnungen fließt derzeit viel Geld. Zeitversetzt wird dies den Kauf von Möbeln aber nach sich ziehen, weshalb für das 4te Quartal 2013 und das erste Halbjahr 2014 von einer leicht besseren Entwicklung in unserem Sektor ausgegangen werden kann. Die Hoffnung stützt sich dabei auch auf die stark steigenden Baugenehmigungen in Deutschland. Sobald diese Wohnungen gebaut sind, müssen sie auch eingerichtet werden. Vor diesem Hintergrund rechnen wir mit einer Stabilisierung der Umsätze der deutschen Möbelhersteller zum Winter 2013 und gehen deshalb für das Gesamtjahr von einem Umsatzminus zwischen zwei und drei Prozent aus.

imm cologne 2014
Damit die prognostizierte Winterstimmung ins neue Jahr überschwappen kann, ist es schön, dass mit der imm cologne am 13. Januar 2014 die erste Wohn- und Einrichtungsmesse des Jahres ihre Tore öffnet. Alle wesentlichen nationalen und internationalen Marktführer werden auf der imm cologne in Köln ausstellen. Somit ist sie Abbild des internationalen Einrichtungsmarktes und Anziehungspunkt für Facheinkäufer und Publikum. Sie zeigt zündende Wohnideen für heute und morgen und liefert so den globalen Märkten neue Impulse. Die imm cologne ist der Treffpunkt für die gesamte Einrichtungsbranche und wird 2014 durch die LivingInteriors ergänzt. LivingInterior steht für ganzheitliche Wohn- und Einrichtungskonzepte, die für das Publikum besonders interessant sind. Insgesamt zeigen mehr als 1.100 Unternehmen aus 50 Ländern zur imm cologne 2014, was sie zu bieten haben. Publikumstage sind Freitag, Samstag, Sonntag, am 17., 18. und 19. Januar 2014. Wer sich vorher im Internet registriert, zahlt nur 5 € statt 20 € Eintritt. Was erwartet uns auf der imm cologne? Wohin geht die Reise beim Wohnen?

Wie wir wohnen wollen
Gutes Wohnen ist den Menschen wichtig. Die Wohnfläche pro Kopf liegt in Deutschland bei nie da gewesenen 43 m². Die Anzahl der Haushalte nimmt zu und liegt inzwischen bei 40,4 Millionen Haushalten, davon 16,2 Millionen Single-Haushalte. Die Wohnungen sind dabei so gut ausgestattet wie nie zuvor. Über 60 Prozent der Wohnungen verfügen heute über Balkon, Terrasse oder Garten. So leben die Deutschen heute in der Summe in 179 Millionen Räumen, die allesamt möbliert sein wollen.
Das Leitbild Homing bleibt. Die Menschen sind gerne Zuhause, aber die verbindlichen Wohnleitbilder vom „guten Wohnen“ aus früheren Zeiten verlieren an Bedeutung. Heute wird differenzierter gewohnt.
Die einen wollen ihrer Persönlichkeit durch Wohnen und Einrichten Ausdruck verleihen, die anderen bleiben bescheiden und begrenzen sich auf das wirklich notwendige Inventar. Wohnkonsum hängt mehr mit dem Stellenwert der eigenen Entfaltung im Wohnen zusammen als mit dem Geldbeutel. Die alten Funktionsbereiche verschmelzen miteinander und lösen sich zunehmend auf. Das Wohnzimmer – immer noch der beliebteste Raum in der Wohnung – wird zunehmend privater Rückzugsort. Mit Freunden bleibt man heute bis spät in die Nacht in der Küche sitzen.

Keine Schrankwand
Mit neuen Möbeln werden oft auch alte Muster überwunden. Ein schönes Beispiel ist der deutliche Verkaufsrückgang der klassischen Schrankwand. Er zeigt die gewünschte Flexibilität in der Raumgestaltung und ein neues „Stauraumverständnis“, weg von unübersichtlichen und übergroßen Schrankfächern, hin zu intelligenten Funktionsmöbeln.

Ein ebenso interessantes Beispiel ist die Abkehr von der ehemals so beliebten 1-2-3 Garnitur. Hier saßen die Herren des Hauses gerne im Einzel-Sessel, während sich der Rest der Familie das Sofa teilte. Heute punktet die moderne Wohnlandschaft oder das L-Form-Sofa mit dazugehörigem Pouf, und die traditionelle Sitzordnung wird aufgelöst. Sitzen nach Rangordnung ist out. Es geht um Bequemlichkeit und Komfort für alle.

Die Dreieinigkeit: Design – Qualität - Material
Die Menschen lassen sich im Möbelhaus nicht von der Optik eines Möbels blenden. Heute erwartet der Käufer auch bei preiswerten Produkten eine gute Qualität, genau wie er sie bei teuren nicht immer unterstellt. Gute Qualität bei Möbeln zeichnet sich durch gutes Design, gute Materialien und gute Verarbeitung aus. Die Kombination muss stimmen.

Geliebte Natur
Ein Megatrend, der weiter Einzug in die Wohnwelt hält, ist das große Thema Natur. Die grüne Leidenschaft findet ihren Niederschlag sowohl in Dekorationen und Accessoires, als auch in der Auswahl des Materials von Möbeln. Die Aussteller der imm cologne 2014 setzen aufgrund dieser starken Nachfrage ganz klar auf die damit verbundenen Gefühle. Natürlich, naturbelassen, authentisch, ehrlich, das sind die Schlagworte. Unikate aus der Natur sind übrigens immer einzigartig und individuell. Kein Eichentisch ist genau so wie ein anderer. Man hat etwas einmaliges und besonderes. Die Zunahme an natürlichen Materialien zeigt sich bei Echtholzmöbeln, bei furnierten Möbeln, bei Leder, Wollfilz und Tierfell als Bezugsstoff.

Stil hat nichts mit Trends zu tun
Neben den jetzt absehbaren Wohntrends 2014 begrüßen wir die individuelle Nachfrage und steigende Sensibilität für das Wohnen sehr. Die Menschen vergegenwärtigen sich nicht nur zur kalten Jahreszeit, dass sie sich mindestens 340 Tage im Jahr im eigenen Zuhause wohlfühlen wollen.

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