Eine Stadt zum Wohlfühlen

Chefredakteure diskutieren in Gütersloh über die Baukultur in Mittelstädten
Nur 80 der 12.000 Städte in Deutschland haben die überschaubare Dimensiion einer so genannten „Mittelstadt“ – also rund 100.000 Einwohner. Gütersloh gehört dazu. Eröffnet das einer Stadt wie Gütersloh besondere Chancen?

Drei renommierte Chefredakteure diskutierten darüber kürzlich bei einem „Stadtgespräch“: Andreas Denk („der achitekt“), Burkhard Fröhlich („Bauverlag“, „Deutsche BauZeitschrift“) und Boris Schade-Bünsow („Bauwelt“) wurden von Moderator Dr. Michael Zirbel, Leiter des Gütersloher Fachbereichs Stadtplanung, dazu befragt.

„Klein, aber fein. Über die Chancen der Baukultur in einer Mittelstadt“, so lautete der Titel des Gesprächs. Zuerst ging es um den demografischen Wandel. „Der Veränderungsdruck, der vor allem auf großen Städten lastet, hat enorm zugenommen“, erläuterte Andreas Denk. „Eine Mittelstadt hat den Vorteil, dass sich solche Entwicklungen dort langsamer abzeichnen und somit mit mehr Fingerspitzengefühl vorgegangen werden kann.“ Schließlich müssen Städte zukünftig mehr soziale Aufgaben übernehmen, alte Strukturen hinterfragen und die Versorgung älterer Menschen sicherstellen. „Die meisten Menschen möchten dort alt werden, wo sie Jahre zuvor gelebt haben. Doch der Bestand ist nicht auf alte Leute ausgelegt“, sagte Burkhard Fröhlich aus Detmold.

„Ich sehe große Chancen für eine Mittelstadt, indem sie attraktive Räume und Angebote gestaltet“, verdeutlichte Boris Schade-Bünsow. Identität und Identifikation mit der Stadt sind dabei zentrale Punkte. Aber auch die wirtschaftliche Stärke ist maßgeblich für eine Stadt – Gütersloh habe viele Arbeitsplätze zu bieten und damit gute Voraussetzungen für eine Pflege der Baukultur.

„Die Stadt ist die Ausstülpung der eigenen Wohnung. Sie muss auf die Bedürfnisse der Einwohner abgestimmt sein“, beschrieb Denk die Herausforderungen an Baukultur im 21. Jahrhundert. Dabei käme es natürlich auch darauf an, dass man sich in der Stadt wohlfühle und jeder Verantwortung für sie übernehme. Auch die Kommunen stünden in der Pflicht: „Städte haben eine enorme Vorbildfunktion“, betonte Fröhlich. Die Stadt lebe ihren Bürgern vor, wie eine Baukultur aussehen kann, sie schiebe Prozesse an, könne gezielt eingreifen und trage eine Fürsorgepflicht für ihre Bürger.  Vor allem aber müsse die Kommune den Kontakt zu den Einwohnern suchen, denn nur so kann die Stadt sich weiterentwickeln.
„In Gütersloh gibt es eine hohe Lebensqualität, starke Arbeitgeber und eine Architektur, die den qualitativen und sozialen Ansprüchen der Baukultur gerecht werden“, zog der ortskundige Chefredakteur Fröhlich Bilanz.

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