„Sense of Place“

Individualität trifft auf Qualität – Der Kölner Peter Silling und sein Team zählen weltweit zu den Top 5 der Hoteleinrichter in der Luxusklasse

Von Dagmar Haas-Pilwat

Luxus ist sein Geschäft.

Weltweit richten Peter Silling und sein Team Fünf-Sterne-Hotels ein. Ob Sofas und Sessel für das erste Ritz Carlton in Indien oder Teppiche und Tapeten für das Jumeirah-Resort in Port Soller auf Mallorca oder das komplett neue „Kleid“ im Steigenberger Parkhotel in Düsseldorf - die Hotel-Interior-Designer aus der Zentrale in Köln zählen weltweit zu den besten ihrer Branche.

Die „Perle Düsseldorfs“ wie das damalige Parkhotel liebevoll genannt wurde, öffnete 1902 erstmals seine Pforten am Corneliusplatz. Mit seinem exponierten Standort am Anfang der legendären Königsallee mit der Hausnummer 1 a und mit Blick auf den Hofgarten hatte und hat es die vielleicht beste Lage aller Hotels der Stadt. Bis heute – denn nun steht auch von Architekt Daniel Libeskind entworfene Kö-Bogen auf dem gegenüberliegenden Grundstück.
Das Parkhotel war Anziehungspunkt der feinen Gesellschaft und beherbergte schon damals neben dem hohen Adel auch die Großindustriellen bei ihrem Besuch in der aufstrebenden Rheinmetropole. Und weil es in die Jahre gekommen ist, wurden nun zehn Millionen Euro in Renovierungsarbeiten investiert. Unter der Federführung von Christiane May, eine der drei Silling-Partner, präsentieren sich die Luxus-Herberge mit ihren 92 Zimmern, die Hotelhalle, die neue Champagner-Bar, die neugestaltete Etoile-Bar und das Fine-Dining-Restaurant mit Wintergarten im klassisch-modernen Ambiente.

„Qualität zeigt sich stets in der Liebe zum Detail“, sagt der im Münsterland als Sohn eines Raumausstatters geborene Peter Silling, der 1992 sein Unternehmen Peter Silling & Associates Hotel Interior Design gegründet hat. Seitdem ist er selten zu Hause, dafür umso öfter in Hotels unterwegs und gestaltet die Innenräume der Spitzenklasse. Mehr als 80 Hotelprojekte hat er mit seinen weltweit rund 60 Mitarbeitern realisiert. Darunter der Breidenbacher Hof in Düsseldorf, The Capella Hotel Washington, das Mariott in Moskau.

Jedes Möbelstück wird eigens in kleinen Manufakturen angefertigt, Stoffe werden extra entworfen genauso wie der Wandschmuck Nichts ist von der Stange, kein Design, keine Fliese, keine Türklinke, keine Lampe. Luxus ist der Maßstab. Die Bäder müssen groß sein und die Zimmer noch größer, 100 Quadratmeter sind nicht selten. Über Preise spricht man nicht, aber pro Luxuszimmer werden in der Regel für Entwicklungs- und Baukosten mindestens eine Million Euro veranschlagt. Aufwändig und teuer ist vor allem die Technik. Sie darf nicht zu sehen sein und trotzdem muss das Hotelzimmer auch als Arbeitszimmer funktionieren.

„Es geht um Schönheit, Erlebnis und Funktionalität“, sagt Christiane May, die studierte Architektin, die ihre Passion für die Innenarchitektur entdeckte. Wichtig sei es, dem Hotel seinen „Sense of Place“ einzuhauchen. So richtet sich beispielsweise die Farbgebung nach der örtlichen Umgebung. In Indien spielen Orange, Grün und Blau eine tragende Rolle. Auf Mallorca geben landestypische Materialien wie Olivenhölzer, Leder, Glas, Naturstein und Marmor in warmen Naturtönen von Sand bis Umbra den Ton an.

„Jedes Hotel erhält von uns seine eigene Handschrift, sein eigenes Design“, sagt Christiane May. Die Ausarbeitung des Konzepts und sämtlicher Details, mit dem Eigentümer und Betreiber, die immerwährende Optimierung so lange, bis am Ende jeder zufrieden ist mit dem Ergebnis -, seien entscheidend bei ihrer Arbeit. Auf dem internationalen Markt ist zudem die Berücksichtigung der verschiedenen Kulturkreise sehr wichtig.

Um solch eine „Perle“ wie das Parkhotel an der Kö in der Modestadt Düsseldorf zum Glänzen zu bringen, wurde die Architektur nach innen geholt und ins richtige Licht gesetzt, erklärt May. Von der ersten Zeichnung bis zu den Blumen an der Rezeption wurde jedes Detail minutiös geplant und alles ist vom Feinsten. Dabei war eine besondere Herausforderung der Umbau im laufenden Hotel-Betrieb.

Freundliche Beige-, Grau-, Braun- und Blautöne dominieren in den 94 umgestalteten Zimmern und Suiten mit ihren großzügigen Wohlfühl-Bädern. Für die Wände wurden Toile-de-Jouy-Tapeten genutzt. Speziell angefertigtes Mobiliar und Kunstobjekte ergänzen jeden der Räume. Ebenfalls umgebaut wurde die Hotelhalle des Grandhotels. Crema Marfil - ein heller Kalksteinboden - helle Möbel und ein großzügiges Raumkonzept prägen das Aussehen der neuen Lobby. Ein besonderer Blickfang sind zwei historische Louis-Vuitton-Truhen, die zu Tischen umgearbeitet wurden.

Mit dem neuen lichtdurchfluteten „Steigenberger Eck“ verfügt das Haus über ein Bistro mit Lounge-Charakter. Hell ist das Mobiliar und unter dem 850 Kilogramm schweren Kronleuchter können auch 50 exklusive Champagnersorten verkostet werden, darunter Raritäten und Jahrgangschampagner. Durch einen separaten Zugang von der Königsallee gelangt man auf die großzügige Terrasse, welche einen Blick auf den Hofgarten und Kö- Bogen bietet und bei schönem Wetter eine ideale Aussichtsplattform ist.

Ein Refugium für Freunde exquisiter Single Malts, Cognacs und Rumspezialitäten ist die neugestaltete Abendbar „Etoile Bar“ aus dunklem Holz. Französisch inspirierte Küche ist im neuen Fine Dining Restaurant „Artiste“ zu genießen. Im ganzjährig geöffneten Wintergarten kann hier mit Blick auf die Königsallee gespeist werden.

Hunderttausende von Flugmeilen sammeln sich jährlich auf den Konten der Inneneinrichter. Denn der Einsatzort kann überall auf der Welt sein. So ist Christiane May in den letzten Jahren häufig in Indien gewesen, wo sie den Bau eines neuen Hotels überwacht hat oder sie fliegt nach Hongkong und Kalifornien oder mal eben nach Russland und Kasachstan. Die meisten Projekte werden nämlich derzeit in Osteuropa realisiert. Dort ist der Bedarf nach Luxushotels für eine anspruchsvolle internationale Klientel noch längst nicht gedeckt, weiß die 40 Jahre alte Expertin. Aber auch bestehende Häuser müssen regelmäßig restauriert, renoviert, auf den neuesten Stand gebracht werden. „Nach zehn bis zwölf Jahren ist jedes Interieur abgenutzt“, sagt May. Gut für die Einrichter – ihr Job findet so nie ein Ende.
Christiane May liebt es, die Visionen ihrer Kunden zu realisieren, zahlreichen Häusern auf der ganzen Welt zu Stil und Glamour zu verhelfen. Mit den Auftraggebern steht sie im ständigen Kontakt. Gemeinsam besichtigen sie den Fortschritt auf der Baustelle oder suchen die Muster und Materialien für das Innenleben aus.

Und natürlich geht die Frau, die darauf achtet, dass in „ihren“ Hotels die Betten immer im Kingsizeformat und die Bäder richtig groß gebaut werden, auch im privaten Leben gerne auf Reisen und zur Inspiration in fremden Hotels auf Sightseeing-Tour.

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