Fundament für die Zukunft

Ralf Schmitz der Bauherr aus Kempen und sein Motto: beste Lage, beste Bausubstanz und beste Ausstattung. In Düsseldorf an der Rheinuferpromenade entsteht die teuerste Wohnung Deutschlands.

Von Dagmar Haas-Pilwat

Schon Urgroßvater Peter Heinrich Schmitz war 1864 bei der Gründung des Familienunternehmens davon überzeugt: „Nur Wert hat Bestand.“ So wundert es nicht, dass heute 150 Jahre später die vierte und fünfte Generation Haus für Haus auf Tradition baut. „Sie ist ein unverzichtbares Fundament der Zukunft“, sagt Senior Ralf Schmitz. „Architektur ist kein kurzlebiger Modeartikel und gute nutzt sich nicht ab.“

Der 60-Jährige ist aufgewachsen in der Tradition niederrheinischer Baumeister und hat von Kempen aus das Unternehmen ausgebaut. Getreu dem Motto: beste Lage, beste Bausubstanz und beste Ausstattung hat er eine der führenden Gesellschaften für feine Wohn-Immobilien etabliert. Denn vor mehr als 35 Jahren hat Ralf Schmitz den Schritt gewagt und sich statt auf Siedlungen wie nach dem Zweiten Weltkrieg auf exklusive Luxus-Wohnungen und -Häuser spezialisiert.

Maßgeschneidertes in traditionell klassischer Architektursprache für anspruchsvolle Kunden gebaut von namhaften Architekten wurde sein Markenzeichen. Der Baumeister-Clan mit dem Senior an der Spitze, gefolgt von seinen Söhnen Daniel Ralf (33), Richard Alexander (32) und Axel Martin (27), steht für Perfektion und Premium. Von der Broschüre bis zum Vorgarten stimmt jedes Detail, wenn die zu den Marktführern zählende Ralf Schmitz Wohnungsbaugesellschaft ihre architektonischen Spuren stets in 1-A-Lagen hinterlässt – in Düsseldorfs Nobelvierteln, im Berliner Grunewald, in Hamburg-Othmarschen und in Kempen.

Angefangen hat Schmitz mit 23 und einer Sekretärin, heute beschäftigt er 70 Mitarbeiter, hat neben der Zentrale in Kempen Büros in Düsseldorf, Berlin sowie Hamburg und verzeichnet nach eigenen Angaben einen Umsatz von 65 Millionen Euro. Noch nicht gebaute Wohnungen sind bereits im Wert von 90 Millionen Euro verkauft. Preise – immerhin bis zu 11.000 Euro pro Quadratmeter – werden für die Objekte in Spitzenlagen aufgerufen.
Die Krönung ist derzeit im Bau: Am Mannesmannufer in Düsseldorf in einer „Jahrhundertlage“ wurde ein Bürohaus aus den 70-iger Jahren für eine halbe Million Euro abgerissen. Und nun entstehen an der Rheinuferpromenade exklusive Loft-Etagen und on top das teuerste Penthouse Deutschlands. 400 Quadratmeter groß mit einem sensationellen Blick über die Stadt und den Rhein soll es rund sieben Millionen Euro kosten. Luxus pur ist selbstverständlich. Denn zum ersten Mal wird der Pariser Interior-Designer Jacques Grange Hand anlegen.

Die Lobby, das Treppenhaus und die Aufzugskabine wird der berühmte Designer gestalten, zudem eine der Wohnungen als Showroom mit französischen Stilelementen planen und mit eigens gefertigtem Mobiliar ausstatten. Grange, der die vier Wände von Yves Saint Laurent und Caroline von Monaco eingerichtet hat und das New Yorker Hotel The Mark in neuem edlen Glanz erstrahlen lässt, hat noch nie für einen deutschen Bauherrn gearbeitet und man darf auf die französischen Stilelemente gespannt sein. Ralf Schmitz verrät nur so viel, dass es zwischen Küche und Esszimmer ein „cabinet of curiosities“ geben wird – eine Art Wunderkammer.

„Unsere Klientel ist nicht konjunkturempfindlich“, sagt Schmitz. Und er scheint den Nerv der Betuchten zu treffen. Die traditionell klassische Architektursprache erfülle die Sehnsucht nach Geborgenheit und Sicherheit, die ein Altbau ausstrahlt, „aber bei uns ist es eben ein Bau mit all den Annehmlichkeiten unserer modernen Zeit“.
So wie auch die alte Industriellen-Villa am Moorenring in seinem Kempen, die ganz schön marode war, als Ralf Schmitz sie Ende der 1990er-Jahre erworben hat. Inzwischen ist aus der Ruine eine imposant restaurierte und sehr gepflegte Firmenzentrale geworden: Ausstattung von allererster Güte, edle Böden und gediegenes Mobiliar. Hinzu kommt Kunst von Stephan Balkenhol und Tony Cragg über Gottfried Graubner und Günter Uecker bis hin zu Norbert Tadeusz und Sigmar Polke auf allen Etagen und in jedem Raum. Das Gespür für feine Immobilien ist unübersehbar.
„Wir wollen nicht einfach Wohnraum schaffen, sondern Gesamtkunstwerke, in denen man sich sicher und wohl fühlt“, betont der älteste Sohn Daniel Ralf. Bei so viel Anspruch scheint kein Projekt zu kompliziert zu sein. Ausgefallene Vorstellungen sind aber verständlich bei Interessenten, die eine standesgemäße Bleibe in Millionenhöhe suchen. Das Geschäft sei schließlich hochemotional.

„Für die Komfortwünsche unserer Kunden werden je Projekt individuelle Konzepte von den technischen Raffinessen auf allermodernstem Stand bis zur Bad-Armatur und den Sprossen-Flügeltüren erarbeitet“, sagt Daniel Ralf Schmitz. Alles muss möglich sein, das erwarte die betuchte Klientel. So seien bei einem Objekt mit 22 Wohneinheiten allein 16 verschiedene Parkett-Arten verlegt worden. Wenn nötig werde auch ein teures Unikat wie ein freistehender Aufzug aus gebeiztem Stahl eingebaut.

Keine Schnäppchen, nichts von der Stange – alles muss von höchster Qualität sein. Architekten, darunter Paul Kahlfeldt zeichnen für die Planung verantwortlich, Inneneinrichter wie Oliver Jungel, Oliver Jahn (Chefredakteur des Magazins AD Architectural Digest) und Jacques Granges sind am Werke – alles, um der Immobilie ein markantes Image, ein Logo, ein Gesicht zu geben. Mit dem Eintritt der fünften Generation in die Geschäftsführung (das jüngste der vier Kinder, Tochter Clara studiert noch) haben die Projektentwickler vom Niederrhein die Unternehmens-Expansion mit neuen Vorhaben in Berlin und Hamburg vorangetrieben: Der mit 33 Jahren älteste Sohn hat nach dem Studium von Kunstgeschichte und Betriebswirtschaft die Dependance am Berliner Kudamm eröffnet. Und die Geschäfte laufen auch in der Bundeshauptstadt gut.

Der Mann ist diskret und nennt keine Namen, aber zu den Kunden zählen Politiker, internationale Investoren, Unternehmer im Ruhestand, auch Alteingesessene, die ihre Häuser verkaufen und in Wohnungen mit dem gewissen Etwas ziehen möchten. Das kostet. Die Quadratmeterpreise eines Schmitz-Objekts sind dann nicht selten doppelt so hoch wie andere. „Aber unsere Baukosten auch“, sagt Daniel Ralf Schmitz. Und wie funktioniert die Schmitzsche Baukunst? „Wir erwerben das Grundstück und errichten mit unseren Gebäuden die Hülle, die unsere Kunden dann mit Leben füllen. Wobei wir in erster Linie mit Handwerksbetrieben arbeiten, die wir seit vielen Jahren kennen.“ So entsteht derzeit in Düsseldorf mit Blick auf den Hofgarten ein 3,5 Millionen Euro teures Haus mit der für Schmitz typischen neoklassizistischen Fassade.

Und wie so oft, sind die Wohnungen, noch bevor die Baugrube ausgehoben wird, bereits verkauft. „Qualität spricht sich eben rum“, heißt es. Außerdem sei die Nachfrage von vermögenden Geldanlegern nach raren Luxus-Immobilien weiterhin groß, vor allem in Innenstadtlagen – allen voran in der Landeshauptstadt. Solch eine Wohnungs-Not auf höchstem Niveau treibt die Begehrlichkeit auf die Spitze und den Umsatz der Projektentwickler in die Höhe.
Aber bei allen Höhenflügen ist die Familie bodenständig und vor allem der Senior eng verbunden mit Kempen geblieben. Dort hat er für sich und seine Frau Andrea ganz in der Nähe des Marktplatzes von Professor PaulKahlfeldt sein erstes selbstgebautes Eigenheim entwerfen lassen und dort investiert der Bauherr allein 20 Millionen Euro in eines seiner Lieblingsprojekte: Nach den Entwürfen des Düsseldorfer Architekturbüros RKW entsteht rund um das alte Franziskanerkloster mitten in Kempen der „Klosterhof“.

Der prestigeträchtige Neubau geht zügig in die Zielgerade, 2014 wird er fertig sein. „Es ist das größte Gebäude, das jemals in der Altstadt gebaut wurde“, sagt Ralf Schmitz. Der bekennende Lokalpatriot ist stolz auf sein Projekt. In Kempen schlägt das Herz der Firma, dort ist seit jeher der Lebensmittelpunkt der Familie mit dem Baumeister-Gen.

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